Erich Mork führte diesmal eine kleinere Gruppe von Interessierten durch den Buchenwald in Rambach. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Buche als Leitbaum der hessischen Wälder durch den Klimawandel und die zunehmende Trockenheit bedroht ist. Denn die Buche ist ein Baum, der verhältnismäßig viel Wasser benötigt.
Der Wiesbadener Stadtwald ist mit seinen Tälern und Lehmböden eine Paradefläche für den Buchenwald und entsprechend dramatisch wäre es für Wiesbaden und Hessen, wenn die Buche tatsächlich mit fortschreitendem Klimawandel keine Zukunft hätte.
Erich Mork zeigte sich jedoch optimistisch, dass sich die Buche an vielen traditionellen Standorten anpassen kann, wenn auch nicht an allen. Besonders in „Kampfzonen“ in bestimmten Lagen von Kuppen oder Südwesthängen von Gebirgs- oder Mittelgebirgslagen zeigten sich in den Dürrejahren 2018 bis 2020 Absterbeprozesse.
Der Wiesbadener Stadtwald verfolgt seit den 1980er Jahren die Strategie, seine Buchenwälder mit nachhaltiger Forstwirtschaft möglichst naturnah zu bewirtschaften und mit klimatoleranteren Arten zu durchmischen.
Seit 1987 wird der Stadtwald nach den Grundsätzen naturgemäßer Waldwirtschaft der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) bewirtschaftet. 1998 erfolgte die Ausweisung als Schutz- und Bannwald nach dem Hess. Waldgesetz. 1999 erfolgte die Zertifizierung durch die Siegel von FSC und Naturland.
Das Konzept der natürlichen Verjüngung wurde uns von Erich Mork an verschiedenen Flächen anschaulich demonstriert. Sobald durch das Umfallen oder die Entnahme eines Baumes Licht auf den Boden fällt, sprießen junge Buchen aus den im Boden liegenden Eckern. Damit sich die jungen Bäume entwickeln können, dürfen sie nicht durch zu viel Wild abgefressen werden. Nach Ansicht von Erich Mork hat sich der Wildbestand insbesondere durch den Verzicht auf die Winterfütterung aber auch ein neues Jagdkonzept reguliert, sodass die natürliche Verjüngung im Wiesbadener Stadtwald sehr gut funktioniert.
Erich Mork zeigte an verschiedenen Flächen auf, wie schwierig es für andere Bäume ist, sich gegen die Buche durchzusetzen. Mit ihrer großen Wuchskraft schließt die Buche bis ins hohe Alter Lücken im Kronendach. Die ausgeprägte Beschattung des Bodens macht es fast allen anderen Pflanzenarten unmöglich, unter Buchen zu wachsen. Ihre eigenen Sämlinge jedoch haben eine sehr hohe Schattentoleranz. Auch mit deutlich weniger Licht können sie viele Jahre überleben. Gleichzeitig werden die jungen Buchensämlinge bestens mit Wasser, Humus und Mineralstoffen versorgt und vor der Konkurrenz durch andere Pflanzen geschützt.
Andere Baumarten benötigen entsprechend die Förderung durch den Förster mittels einer gezielten Freistellung einzelner Jungbäume. So erhalten sie mehr Licht und Nährstoffe und haben die Chance, sich gegen die Buchen durchzusetzen.
Auf diese Weise entsteht ein Mischwald mit der Buche als dominantem Leitbaum, der von Eichen, Douglasien, Kiefern, Lärchen und Kirschen ergänzt wird. Da jeder dieser Bäume sein eigenes Mikroklima ausbildet und sich mit einer Mirkrofauna umgibt, wird der Wald nicht nur klimastabiler, sondern es erhöht sich zugleich dessen Biodiversität.
In der Gruppe wurde intensiv diskutiert, ob es nicht besser sei, den Wald vollständig sich selbst zu überlassen. Herr Mork zeigte uns an verschiedenen Stellen im Wald auf, wie sich durch die schonende Entnahme einzelner Bäume ein Kreislauf der natürlichen Verjüngung in Gang setzen lässt. Gleichzeitig ist durch die Entnahme einzelner Bäume das Kronendach nicht mehr ganz so dicht, sodass im Sommer nicht nur mehr Licht, sondern auch mehr Niederschlag auf den Waldboden fällt. Der Platz im Kronendach gibt den verbliebenen Buchen Raum sich zu entfalten, ihr Wachstum zu verstärken und sich zu noch kräftigeren und widerstandsfähigeren Bäumen zu entwickeln.
Die naturnahe Bewirtschaftung wird unterstützt durch eine größere Zahl von Habitatbäumen. Dies ist ein lebender oder toter Baum, der aufgrund bestimmter Merkmale wie Höhlen, Rissen, Rindenverletzungen oder Pilzbefall als Lebensraum für andere Lebewesen dient. Wir konnten auf unserem Rundgang mehrere solcher Bäume in Augenschein nehmen und es war interessant zu sehen, wie schnell sich insbesondere stehendes Totholz verändert und zersetzt. Gerade das stehende Totholz ist ideal für verschiedenste Spechtarten, die im Wiesbadener Stadtwald zahlreich vertreten sind.
Insgesamt wieder ein sehr lehrreicher Spaziergang der uns aufzeigte, wie durch eine nachhaltige Bewirtschaftung die Substanz der Buchenwälder gestärkt und ihre ökologische Funktion mit Naturschutz und Holznutzung verbunden werden kann.
Text: M. Pluemer
Nicht jeder Baum im Wald wird riesig, denn wie jede Pflanze braucht auch ein Baum Licht, Wasser und Nährstoffe um zu wachsen. Wobei Nährstoffe im Wald meist ausreichend, Licht und Wasser aber oft nur begrenzt vorhanden sind. So erläutert es Erich Mork, ehemaliger Revierförster von Rambach, bei unserer Exkursion zum Thema Baumriesen. Von der Knappheit konnten sich die 12Teilnehmer auch selbst überzeugen, denn von dem einsetzenden Regen hatte das Blätterdach schon viel abgehalten, der größte Teil des Sommerregens verdunstet eben schon auf den Blättern. Wo es dann noch mehr oder weniger Grundwasser aus dem Winterregen gibt, das ist ein wichtiger Standortfaktor.
Anhand des Lichteinfalls als zweiter Mangelfaktor berichtet Erich Mork über die Einflussmöglichkeiten des Försters durch gezieltes Entnehmen von Nachbarbäumen einzelne Bäume zu fördern. Auch Kriterien für solche Habitat Bäume wurden erklärt und an Beispielen gezeigt.
Im Gegensatz dazu, erfolgt in einem zweiten Waldstück bereits seit 50 Jahren keine forstlichen Eingriffe mehr. Hier sind alle Bäume gleich alt, denn das gesamte Waldstück war bis 1800 noch eine Heidelandschaft wie alte Gemarkungsnamen zeigen. Man soll sich doch mal vorstellen: was heute wie ein Urwald aussieht, ist erst die erste Generation Wald, so Erich Mork. Und obwohl die großen Bäume das gleiche Alter haben wie gegenüber, wirkt der Wald ganz anders. Dunkler und voller Farne statt Baumaufwuchs. Hier entstehen Lichtinseln nur, wenn ein alter Baum umfällt und dann Platz für neue macht, die sich dann ganz von selbst entwickeln. An manchen Stellen konnte man das schon sehen, aber das wird in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten noch mehr werden und die Entwicklung bleibt spannend zu beobachten.
Förster haben eben ein anderes Zeitverständnis.
Bericht und Fotos: R. Pietsch
Wiesbaden, Apothekergarten 14.00 Uhr 15.06.2025, Insektenführung
Bericht einer Teilnehmenden (NABU-Mitglied) zur Exkursion „Wo Insekten Ihre Rezepte einlösen“
Frisch nach Wiesbaden gezogen, wolle ich doch mal schauen, was die regionale Nabu-Gruppe so Interessantes zu bieten hat.
Da meine Interessen vielfältig sind, war das Hauptkriterium - der Termin musste passen.
„Wo Insekten Ihre Rezepte einlösen“ passte und hörte sich verheißungsvoll an.
Geleitet wurde die Exkursion von Cornelia Beckert einer Dipl. Biologin. Somit war eine fachliche Expertise gewährleistet.
Das einzige Hindernis könnte das Kleingedruckte werden - Bei Regen fällt die Veranstaltung aus. (wo wir doch so Regen brauchen und ich mich über jeden Tropfen freue)
Egal – Der Wetterbericht war so la, la. Aber als eher optimistischer Mensch stand ich pünktlich vor den Toren des Apothekergartens. Wow – damit hatte ich nicht gerechnet. Da standen alle meine Kräuter und Heil- (Arzneipflanzen) sorgsam angepflanzt, beschriftet, erklärt in einer wunderschönen Anlage. Nach einem ersten Blick in die Abteilung Kräuter gegen Frauenleiden, sah ich das blaue Nabu T-Shirt und steuerte direkt dahin. Gespannt auf die Themen aber auch auf die Menschen, die man da so trifft.
Das Wetter war immer noch so la, la.
Doch um 14.00 Uhr waren 17 Personen da - auch wenn es vorsichtig anfing zu tröpfeln. Ausfallen würde die Exkursion jetzt nicht mehr J
Cornelia begrüßte uns herzlich und direkt, nach einer kurzen Vorstellung ging es los mit einer Schätzrunde. Mit überraschenden Ergebnissen aus den Schätzungen schwärmten wir jetzt mental aufgelockert und voller Tatendrang aus. Bestückt mit Bestimmungsmaterial, Bechern und Lupen gingen wir auf die Suche nach den kleinen Bewohnern des Gartens.
Das Wetter wurde immer mehr la la
Kleine Gruppen bildeten sich und verteilten sich in den unterschiedlichen Regionen des Gartens. Man kam untereinander ins Gespräch, zeigte sich gegenseitig die besonderen Funde, fachsimpelte „Oh die habe ich ja noch nie gesehen……“ (In diesem Fall ging es um die Zaunrüben-Sandbiene) Ein Foto wollte diese kleine Biene jedoch nicht von sich machen lassen-sie war einfach zu schnell.
Marienkäferlaren, Wanzenbestimmung, Hummelarten, Wildbienen, Schwebefliegen…….
Wie erkenne ich was, woran unterscheiden sich einzelnen Marienkäferarten - dank Cornelia blieb kein Frage unbeantwortet. Alle waren eifrig am Sammeln, Fotografieren und Bestimmen.
Das Wetter war dann irgendwann so la, la la, dass wir uns unterstellen mussten. Das passte jedoch super, denn so konnte jeder zeigen, was gefunden wurde, abgleichen und erörtern.
Zum Schluss gab es noch eine unterhaltsame Fragerunde, die Cornelia für uns vorbereitet hatte.
Alles in allem ein sehr inspirierender und bereichernder Nachmittag voller Insektenwissen und interessanter Menschen die sich für die Wunder der Natur interessieren.
Vielen lieben Dank an Cornelia die diese Exkursion kurzweilig und locker gestaltet hat und einen riesen Dank an den Apothekergartenverein für diesen wundervollen Ort. Ich werden sich noch öfter hier vorbeischauen.
Katrin dM

Eine Vogelstimmenexkursion für Frühaufsteher war angesagt. Kurz nach 6:00 Uhr startete ein Grüppchen von 4 Personen und lauschte dem Gesang der gefiederten Freunde an Siedlungsrand, Wald und Offenland. Laut und deutlich ließen sich das Klingeln bzw. Läuten von Blau- und Kohlmeisen unterscheiden, Mönchsgrasmücken, deren Name von der charakteristischen Kopffärbung abgeleitet ist, die an ein Mönchskäppchen erinnert, flöteten sehr melodisch, weshalb manche Menschen meinen eine Nachtigall zu hören. Markant auch die schmetternde Stimme des Zaunkönigs und der Gesang der Singdrossel, die ihre Motive 2-3 x wiederholt. Noch viele andere Arten waren zu vernehmen, die für Anfänger nicht so leicht heraus zu hören sind. Das ist aber kein Grund zur Resignation. Wenn man sich bei jeder Exkursion 2 – 3 Stimmen merkt, ist das schon ein Gewinn.
Und der NABU Wiesbaden bietet noch weitere Exkursionen mit der Gelegenheit auf Vogelstimmenbesonderheiten aufmerksam zu werden.
Mehr zu Vogelstimmen hier
Text: P. Siersleben
Das erste Monatstreffen fand im Rabengrund auf einem kleinen Spaziergang statt.