Eine Wildblumenwiese ist nicht nur schön, sondern erfüllt wichtige ökologische Funktionen. Im Sommer nutzen sie zahlreiche Insekten als Futterquelle, Schmetterlinge und Käfer haben hier ihre „Puppenstuben“ und Säugetiere wie Igel und Feldhasen können sich zwischen den hohen Pflanzen verstecken. Ein Teil der Fläche sollte stets ungemäht bleiben, damit Tiere weiterhin Nahrung finden. Im Herbst und Winter ernährt die Wildblumenwiese so Vögel mit ihren Samenständen und Insekten überwintern in ihren Stängeln.
Eine Wildblumenwiese dient auch uns Menschen, zum Beispiel als Kaltluftquelle. Zudem kann Regenwasser hier versickern – für neues Grundwasser.
Wildblumenwiesen entwickelten sich in unserer Landschaft mit dem Beginn der Viehhaltung. Wiesen wurden gemäht, da das Mahdgut den Tieren als Winterfutter diente. Durch das, je nach Standort, ein- bis dreimalige Mähen und Abtragen des Mahdgutes pro Jahr wurden die Wiesen nach und nach abgemagert, wodurch sich seltene Pflanzenarten etablieren konnten. Seltene Tierarten siedelten sich an und ein eigener Lebensraum entstand. Die Vielfalt der Arten auf diesen Standorten macht sie noch heute so einzigartig und wertvoll.
Durch die intensive Nutzung der Landschaft durch den Menschen verschwinden diese Lebensräume – und mit ihnen viele Arten! Diese Tatsache lässt sich heute durch das Aussterben vieler Insektenarten, darunter vieler Spezialisten, und durch immer weniger wiesenbrütende Vogelarten erkennen. Um das zu verhindern, kann jeder einen Beitrag leisten ... und eigene Flächen in Wildblumenwiesen verwandeln!
Blühwiesen haben einen hohen Wert für die Biodiversität! Die Vielfalt der Blüten bietet Insekten ein optimales Angebot an Nahrung. Zudem finden sie hier auch Quartiere zum Überwintern wie die Stängel und Blattachseln der Pflanzen.
Je nach Standort entwickelt sich eine Wiese anders und es finden sich andere Arten ein. Neben den Insekten finden weitere Tiere wie Reptilien, Amphibien, Reptilien, Amphibien, Säugetiere und Vögel hier Unterschlupf, Möglichkeiten zum Nisten sowie Nahrung.
Daher sollten solche Wiesen nicht betreten und vor jeder Pflegemaßnahme auf vorkommende Tiere geprüft werden. Wiesenflächen sind außerdem CO2-Speicher und tragen so zum Klimaschutz bei. Sie verbessern das lokale Klima, denn sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit und sind Kaltluftquellen. Die extensive Pflege spart Wasser + Energie.
• Extensiv genutzte Flächen, die nicht oder selten begangen werden, können in eine Wildblumenwiese umgewandelt werden (zum Beispiel Verkehrsinseln, Seitenstreifen, Abstandsflächen zwischen
Gebäuden, selten genutzte Bereiche auf dem Gelände).
• Der Standort sollte vollsonnig und der Boden nährstoffarm und möglichst frei von Wildkräutern sein.
• Die Fläche sollte möglichst nicht bespielt oder begangen werden. Je nach Anspruch kann die Anlage einer Wiese aufwendiger werden – das Ergebnis lohnt sich jedoch für Mensch und Tier.
• Auf Verkehrsflächen (Verkehrsinseln, Seitenstreifen) ist es wichtig, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Um das Blickfeld nicht einzuschränken, sollten auf diesen Flächen daher nur Arten verwendet werden, die maximal 30-40 cm hoch werden.
• Bei Flächen unter und um Gehölze herum ist bei der Bodenbearbeitung auf Wurzeln zu achten. Je nach Standort sollte der Boden nur wenige Zentimeter tief maschinell bearbeitet werden. Optimalerweise erfolgt das Entfernen der bestehenden Vegetation im Wurzelbereich
(Traufbereich) in Handarbeit.

Es werden 2-3 g Saatgut pro m² benötigt.
Es gibt VERSCHIEDENE MÖGLICHKEITEN, eine Wildblumenwiese anzulegen. Welche die erfolgversprechendste und ökologisch sowie ökonomisch sinnvollste ist, hängt von den Voraussetzungen der Fläche ab:
• Umstellung der Mahd: Eine Option ist, die Pflege einer bestehenden Rasenfläche/Wiese zu extensivieren. Hierbei wird die regelmäßige Mahd reduziert auf 2-4 Schnitte pro Jahr.
Wichtig ist, weniger kurz als bei klassischem Rasen zu mähen. Mindestens 10 cm hoch sollten die Gräser und Kräuter nach dem Mähen sein, besser mehr.
Ein Nachteil hierbei ist, dass das Ergebnis nicht vorhersehbar ist. Des Weiteren enthalten Regel-Saatgut-Mischungen (RSM), aus denen gängige Rasenflächen häufig bestehen, meist konkurrenzstarke Gräserarten, gegen die sich Wildblumen oft nicht behaupten können, was das „Einwandern“ erschwert. Diese Umsetzungsvariante schont jedoch den Boden, die vorhandenen Bodenlebewesen und spart zudem Kosten. Gleichzeitig kann aufgezeigt werden, wie durch eine einfache Pflegeumstellung bereits ein wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt geleistet werden kann.

Das Schnittgut muss von der Fläche entfernt werden, um den Nährstoffgehalt zu reduzieren und so Pflanzen, die an magerere Standorte angepasst sind, eine Ausbreitung zu ermöglichen. Dann kann beobachtet werden, welche Wildblumenarten sich im Laufe der Zeit etablieren.
Um die Entwicklung einer Fläche nach der Umstellung der Mahd zu beschleunigen, können Initialpflanzungen ergänzt werden.
Das bedeutet, dass an verschiedenen Stellen auf der Fläche Bereiche vom Bewuchs befreit werden und dort auf je mindestens 2 m² die gewünschten Kräuter bzw. Stauden gepflanzt werden.
Von diesen Inseln aus können sich die Pflanzen schneller ausbreiten!
• Bei Rohboden, offenem, magerem Boden: Hier kann ein Saatbett bereitet und direkt gesät werden, wobei das Saatgut nicht mit Substrat bedeckt wird. Wichtig ist es, das Saatgut hinterher anzuwalzen, aber nicht einzuarbeiten, um den Bodenschluss zu gewährleisten. Dieser Schritt ist essenziell für eine erfolgreiche Ansaat. Eine Alternative hierzu ist die Mahdgutübertragung aus einer benachbarten Grünlandfläche oder Wiese. Das Mahdgut wird nach der Blüte auf die zu beimpfende, vorbereitete Fläche ausgebracht, so dass sich die vorkommenden Pflanzen dort aussäen können. Eine Variante davon ist der Wiesendrusch, bei dem lediglich das Saatgut aus der benachbarten Fläche eingebracht
wird, nicht das gesamte Mahdgut.
• Bei Rasen mit Umbruch: Der Rasen muss mit einem Rasenschäler entfernt und je nach Untergrund eventuell der Boden abgemagert werden. Dazu wird eine ca. 20 cm starke Schicht Sand aufgetragen und mit einer Fräse eingearbeitet. Nun erfolgen die Saatbettbereitung, die Einsaat und das anschließende Anwalzen.
Die ART der Umsetzung ist abhängig von der Größe der Fläche. Kleine Flächen bis ca. 200 m² sind
in Eigenleistung umsetzbar, zum Beispiel in einem Workshop mit Mitarbeitenden. Mit größeren
Flächen sollte eventuell eine Garten- und Landschaftsbaufirma beauftragt werden.

Bis ca. 200 m² Fläche | 4 Personen | vorherige Nutzung Rasen (eigene Erfahrungswerte) ...:
• Rasen abtragen: 6 - 8 Stunden
• Einarbeitung Sand: 4 Stunden
• Saatbettbereitung: 2 Stunden
• Aussaat: 1/2 Stunde (1 Person)
Saatbettbereitung im Sommer vor der Einsaat optimal. So können vor der Aussaat, im Abstand von 2 Wochen, noch 2-3 Mal die aufkommenden Kräuter entfernt werden. Auf diese Weise verringert sich der Konkurrenz-druck auf die später ausgesäten Arten.
Zeit der Aussaat: Herbst (spätestens Mitte September)
Kriterien für die Auswahl der Saatmischungen:
Wildblumenwiesen brauchen einige Zeit, um sich zu entwickeln. Ihr Erscheinungsbild ändert sich
von Jahr zu Jahr. Um bereits im ersten Jahr einen Blütenflor zu sehen, sollten einjährige Arten
beigemischt sein.
• 1-3-malige, partielle Mahd pro Jahr: Pro Mahddurchgang bleibt mindestens 1/3 der Wiesenfläche ungemäht, um Tieren einen Rückzugsort zu bieten und unterschiedliche Pflanzen zu fördern. Die Mahd kann in Streifen oder einer organischen Form erfolgen.
• Der richtige Mahdzeitpunkt kann von Standort zu Standort stark variieren, weshalb die Tabelle lediglich eine grobe Orientierung liefert. Ist der vorhandene Boden zum Beispiel sehr sandig, wie häufig in Berlin und Brandenburg, und ist im Sommer mit einer längeren Trockenperiode zu rechnen, sollte auf einen Sommerschnitt möglicherweise verzichtet werden. Denn dann ist es wahrscheinlich, dass die Wildblumen zu sehr unter Hitzestress leiden. Faustformel ist, dass es einen konkreten Grund braucht, um zu mähen. Gibt es keinen Grund, sollte die Mahd verschoben werden. Die Unterdrückung dominanter Gräser könnte zum Beispiel ein Grund sein. In dem Fall wird vor der Gräserblüte gemäht und das Mahdgut anschließend von der Fläche gebracht.
• Mahdgut 3-7 Tage auf der Fläche liegen lassen – zur Selbstaussaat und um Insekten sowie
anderen Tieren zu ermöglichen, in ungemähte Bereiche auszuweichen. Dann Abtrag des
Mahdgutes.
• Zusätzlich Pflegeschnitt im ersten Jahr vornehmen, auf Kleinsäuger achten. Der Pflegeschnitt
erfolgt in Abhängigkeit der Höhe der Beikräuter und wird „Bierflaschenschnitt“ (s.Bild) genannt. Haben die Beikräuter (Gräser etc.) die Höhe einer Bierflasche erreicht (25 cm), muss
auf 10 cm gemäht werden, um die langsam wachsenden Wildkräuter zu fördern. Im nächsten Jahr kann mit der 1-3-schürigen Mahd begonnen werden.
• Die Fläche regelmäßig auf invasive Pflanzen prüfen. Diese sind mitsamt ihrer Wurzeln im
Restmüll zu entsorgen.
• Ein klassischer Rasenmäher ist für den Schnitt einer Wildblumenwiese ungeeignet, da er das Schnittgut häckselt. So werden vorkommende Insekten und gegebenenfalls auch Kleinsäuger verletzt oder gar getötet. Ein Balkenmäher hingegen schneidet die Pflanzen mit einem Schnitt und reduziert so das Risiko für die Tiere.
• Balkenmäher statt Rasenmäher verwenden! Geeignet sind Messerbalken/Balkenmäher oder Heckenschere an Teleskopstange (Schnitthöhe mindestens 10 cm).
• Sense: Für die Pflege mit der Sense können zum Beispiel Mitarbeitenden-Workshops
angeboten oder lokale Initiativen mit Sensen-Workshops betraut werden. Möglicherweise
finden sich auch Einzelpersonen/Gruppen, welche eine Pat*innenschaft für Flächen
übernehmen möchten.
1. NABU-Homepage: Gartentipp Blühwiesen richtig anlegen
Vereinsgelände FTW1896 e.V.: Blüh- und Kräuterwiesen für mehr Biodiversität