Kräuterrasen

Hier erhalten Sie wichtiges Hintergrundwissen & Tipps zur richtigen Anlage und Pflege eines Kräuterrasens im Garten oder auf Freiflächen.

Margeriten auf Kräuterrasen, Foto: D.Wehlmann

Ein Kräuterrasen unterscheidet sich von einem Zierrasen durch das Vorhandensein von heimischen Wildkräutern wie z. B. Kriechender Günsel, Duftveilchen, Habichtskraut....

 

Für Insekten, Vögel und Kleinsäuger bietet diese Art Grün eine Vielfalt an Nahrung in Form von Kräutern, Nektar, Pollen oder Insekten. Bleibt ein Teil des Rasens über den Winter ungemäht, können an den Pflanzenstängeln und in den Blattachseln Insekten überwintern, um im nächsten Jahr zu schlüpfen.

 

Und auch uns Menschen kommt ein Kräuterrasen zugute, denn er dient im Sommer als Quelle von Kaltluft. Außerdem kann hier Regenwasser versickern und läuft nicht einfach ungenutzt in die Kanalisation. Das fördert die Grundwasserneubildung.

Rotklee (Wiesenklee), FTW-Wiesbaden, D.Wehlmann
Rotklee (Wiesenklee), FTW-Wiesbaden, D.Wehlmann

Ein Kräuterrasen kann als Ersatz für den pflegeintensiven Sportrasen verwendet werden. Durch den hohen Kräuteranteil der Mischungen ist er resistenter gegen Hitze und Trockenheit als bei üblichen Mischungen für Nutz- oder Sportrasen.

 

Bereiche, die ab und zu begangen werden, können gemäht werden, denn niedrig bleibende Stauden halten einem Begehen stand und kommen meist trotzdem zur Blüte. Ein partieller Schnitt (nur ein Teil der Fläche wird gemäht) ist optimal, um Artenvielfalt und Nutzung zu kombinieren.

Wiesen-Labkraut (Galium Mullugo), D.Wehlmann
Wiesen-Labkraut (Galium Mullugo), D.Wehlmann

Ein Kräuterrasen leistet einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz und kann aufgrund seiner Vorteile eine Maßnahme zur Bekämpfung des Artenschwunds gerade bei Insekten sein.

 

Strapazierfähige Stauden wie Gänseblümchen, Kamille und Spitzwegerich locken mit ihren Blüten Insekten an. Feldhasen, Igel, weitere Säugetiere und Vögel nutzen die Kräuter und

Insekten als Nahrung und können zwischen den dichten Stängeln Versteckmöglichkeiten finden.

 

Voraussetzungen & Einschränkungen:

Besonders gut geeignet: Flächen, die selten oder nicht begangen werden. Hier können sich die Stauden und Kräuter besonders gut und ungestört entwickeln.

 

Auch intensiver genutzte Flächen sind für die Anlage eines Kräuterrasens geeignet. Hier

empfiehlt es sich, jedes Jahr andere Bereiche für den regelmäßigen Gebrauch zu mähen.

So können sich die zuvor genutzten Bereiche regenerieren.

Tausendgüldenkraut, Helge May
Tausendgüldenkraut, Helge May

• Die Anlage der Fläche ist zeitaufwändiger, als bei klassischem Nutzrasen.

 

• Bei sehr lang andauernder Trockenheit muss nicht ungedingt gewässert werden. Gut angewachsene (Kräuter-) Rasenflächen  regenerieren sich meist nach länger anhaltender Trockenheit gut, auch ohne Wässerung.

 

• Ein Kräuterrasen kann gelegentlich betreten werden. Häufiger genutzte Flächen wie Spielbereiche können auch öfter gemäht werden.

Umsetzung:

Die Anlage eines Kräuterrasens erfolgt am besten im Herbst. Bei einer Herbstansaat kann durch die meist feuchte Witterung ein Teil der Wässerungsarbeit gespart werden. Vor allem in Zeiten von  trockenen Frühjahren empfiehlt sich die Herbsteinsaat.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um einen Kräuterrasen zu etablieren. Welche die jeweils

erfolgversprechendste und ökologisch sowie ökonomisch sinnvollste ist, hängt von den Voraussetzungen der Fläche ab. Es ist in jedem Fall zu beachten, dass sich Saatmischungen je nach

Standort und Pflege unterschiedlich entwickeln.

Umstellung der Mahd: Eine Option ist, die Pflege einer bestehenden Rasenfläche zu extensivieren. Hierbei wird die regelmäßige Mahd reduziert auf 2-4 Schnitte pro Jahr. 

Wichtig ist, weniger kurz als bei klassischem Rasen zu mähen. Mindestens 10 cm hoch sollten die Gräser und Kräuter nach dem Mähen sein, besser mehr. Das Schnittgut muss von der Fläche abgetragen werden, um den Nährstoffgehalt zu reduzieren und so Pflanzen, die an magerere Standorte angepasst sind, eine Ausbreitung zu ermöglichen. Dann kann beobachtet werden, welche Kräuter sich im Laufe der Zeit etablieren.

Diese Umsetzungsvariante schont den Boden, die vorhandenen Bodenlebewesen und spart zudem Kosten. Gleichzeitig kann aufgezeigt werden, wie durch eine einfache Pflegeumstellung bereits ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Artenvielfalt geleistet werden kann.

 

Um die Entwicklung einer Fläche nach der Umstellung der Mahd zu beschleunigen, können

Initialpflanzungen ergänzt werden. Das bedeutet, dass an verschiedenen Stellen auf der

Fläche Bereiche stark vertikutiert werden und dort auf je mindestens 2 m² die gewünschten

Kräuter bzw. Stauden gepflanzt werden. Von diesen Inseln aus können sich die Pflanzen

schneller ausbreiten.

 

a- Bei Rohboden, offenem, magerem Boden: Hier kann ein Saatbett bereitet und direkt gesät werden. Wichtig ist, das Saatgut hinterher anzuwalzen, aber nicht einzuarbeiten, um den Bodenschluss zu gewährleisten. Dieser Schritt ist essenziell für eine erfolgreiche Ansaat. Eine weitere Möglichkeit ist die Mahdgutübertragung aus einer benachbarten Grünlandfläche oder Wiese. Das Mahdgut wird nach der Blüte auf die zu beimpfende, vorbereitete Fläche ausgebracht, so dass sich die  vorkommenden Pflanzen dort aussäen können.

 

b- Bei Rasen mit Umbruch: Der Rasen muss mit einem Rasenschäler entfernt und je nach Untergrund eventuell der Boden abgemagert werden. Dazu wird eine rund 20 cm starke Schicht Sand aufgetragen und mit einer Fräse eingearbeitet. Nun erfolgen die Saatbettbereitung, die Einsaat und das anschließende Anwalzen.

Zaunwicken (Vicia sepium), D.Wehlmann
Zaunwicken (Vicia sepium), D.Wehlmann

Der Zeitpunkt der Saatbettvorbereitung ist im Sommer vor der Einsaat optimal.

 

So können vor der Aussaat, im Abstand von 2 Wochen, noch 2-3 Mal die aufkommenden Kräuter entfernt werden.Zusätzlich verringert sich der Konkurrenzdruck auf die später ausgesäten Arten. 

 

Zeit der Aussaat:

Herbst (spätestens Mitte September)

Pflege:

• Die Fläche regelmäßig auf invasive Pflanzen prüfen. Diese sind mitsamt ihrer Wurzeln im

 

Restmüll zu entsorgen.

 

• Durch die seltene Mahd (3-5 Mal pro Jahr) ist Kräuterrasen pflegearm. Die erste Mahd kann Ende April erfolgen, die letzte Mahd Ende Oktober.

 

• Die Mahd sollte mosaikartig versetzt stattfinden, so dass nicht die ganze Fläche mit einem

Mal gemäht wird. Dadurch können Kleinsäuger und Insekten auf die ungemähten Bereiche

ausweichen und dort weiterhin Nahrung und Unterschlupf finden.

 

• Zudem sollte über den Winter mindestens 1/3 der Fläche ungemäht bleiben, um als

Rückzugsort zu dienen.

 

Mahdgut 3-7 Tage auf der Fläche liegen lassen – zur Selbstaussaat und um Insekten und

anderen Tieren zu ermöglichen, in ungemähte Bereiche auszuweichen. Dann Abtrag des

Mahdgutes.

 

Eigene Erfahrungen - Aktivitäten in Wiesbaden:

Bestehende Rasenflächen wurden z.B. beim FTW-Verein in Kräuterrasen-Flächen umgewandelt, indem Saat-Mischungen für heimische Kräuter ausgesäat wurden. 

Dabei können freigeschnittene Inseln geschaffen werden, von denen aus sich die Kräuter leichter ausbreiten können. 

Auch bei anderen Projekten streuen wir diese Massnahme gerne bei vorhandenen Rasenflächen zur biodiversen Aufwertung bei! 

Alle Bilder, FTW Wbn, Dirk Wehlmann, NABU, -->siehe auch Vereinsgelände FTW1896 e.V.: Blüh- und Kräuterwiesen für mehr Biodiversität


Weiterführende Links:

1. NABU-Homepage: Gartentipp Blühkräuter-Rasen